<![CDATA[Beratung rund um Pferd und Reiter / REHA-TRAINING MRS - Archiv Symposien PFERDE]]>Wed, 28 Feb 2024 12:11:05 +0000Weebly<![CDATA[Symposium  PFERDE  2022    Wie  lernt  ein   Pferd?Zwischen Langeweile und Überforderung.]]>Tue, 06 Feb 2024 11:17:59 GMThttp://www.corinnehauser.ch/archiv-symposien-pferde/symposium-pferde-2022-wie-lernt-ein-pferdzwischen-langeweile-und-uberforderung«Wissen + Können» ist der beste Tierschutz»
«Das Pferd, der geborene Athlet. Es ist auf Leistung getrimmt – von Geburt an. Die Frage ist nicht, ob sie können, sondern vielmehr, ob sie sollen.»
Das Symposium PFERDE 2022 widmete sich dem Themenbereich «Wie lernt ein Pferd? Zwischen Langeweile und Überforderung». Gewährt wurden verschiedene Einblicke und Erfahrungen von 11 internationalen Experten der heutigen Pferdehaltung und dem Bewegungs- und Lernbedarf des Pferdes in unserer Zivilisation unter dem Aspekt der physischen und psychischen Belastungsgrenze.
Eröffnet wurde durch Martin Plewa, ehemaliger deutscher Bundestrainer der Sparte Vielseitigkeitsreiten. Er verdeutlichte, was sich in den letzten 30 Jahren in Bezug auf den Pferdesport und in der Zucht verändert hat. Das Ziel des (schnellen) Zuchtfortschrittes, auch unter dem Druck der Konkurrenz mit anderen Verbänden im In- und Ausland, aber auch die (durchaus berechtigten) kommerziellen Interessen bei der Vermarktung dürfen nicht auf Kosten des Wohles der jungen Pferde verfolgt werden. Denn die gesellschaftliche Akzeptanz des Pferdesports hängt nicht nur von der Qualität erbrachter Leistungen unter dem Sattel ab, sondern auch davon, wie jungpferdegerecht Selektionen und Prüfungen in der Pferdezucht ablaufen.
Michael Weishaupt, Professor und Leiter der Sportmedizin der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, referierte über die Bewegungsmöglichkeiten und die physischen Belastungsgrenzen eines Pferdes. Beim Athlet Pferd ist die körperliche UND mentale Auslastung nicht viel anders als bei einem Ferrari. Auch beim Pferd gibt es Standschäden, z.B. nimmt die Knochendichte ab. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, was drin steckt an Fähigkeiten auch ausleben zu dürfen. Sowohl in freier Bewegung sowie auch unter dem Sattel. Im Allgemeinen müssen sie wieder mehr Galoppieren dürfen – auch unter dem Sattel – um den Bewegungsapparat und die Fähigkeit zur Flucht aufrecht erhalten zu können. Auch das bedeutet für das Flucht- und Beutetier Pferd Sicherheit, Wohlbefinden und Tierwürde. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir eingestehen, dass das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen (wollen) wohl nicht immer der Realität entspricht. Mehr Objektivität und Offenheit der Wissenschaft gegenüber würden hier sicher nicht schaden. Trotzdem wird die vollendete Reiterei und das Trainieren von Pferden immer eine Kunst bleiben. Doch sollte man sich bewusst sein, dass in der Kunst nichts zufällig ist, sondern mit Kompetenz, makelloser Technik, Fleiss und Disziplin, Wissensneugier und vor allem Ehrlichkeit zu tun hat. «Die Theorie ist das Wissen, die Praxis das Können. Immer aber soll Wissen dem Handeln vorangehen.» (A. Podhajsky, Die klassische Reitkunst)
Die Notwendigkeit eines ausgeglichenen Gemütszustandes im Zuge des Trainings. Das Pferd ist grundsätzlich enorm lernfähig und lernt ausserordentlich schnell. Wie und worauf im Besonderen bei der Ausbildung junger Pferde geachtet werden soll, erläuterte der österreichische Fachtierarzt Robert Stodulka
Es muss nicht alles neu erfunden werden. Das Grundprinzip aus der Ethologie des Pferdes zu verstehen ist notwendig, um Stresssituationen während des Trainings möglichst zu vermeiden, da das Pferd sich sehr rasch in dem alten ihm von Natur aus vorgegebenen "Flight and Fight"-Schema wieder findet, und dazu flüchten, sprich durchgehen, scheuen etc. beginnt.  
Das Körperschema Dolto erklärt deutlich, wie der Körper und der Geist gemeinsam aufgebaut werden können. Unter Berücksichtigung, dass das Körperschema für alle Individuen einer Gattung gleich ist, jedoch das Körperbild als lebende Synthese von Erfahrungen aufgebaut und verändert werden kann. Unter Körperbild (body image) versteht man, grob vereinfacht, den Bezug, den man von sich zu seinem Körper hat, als lebende Synthese aller Erfahrungen. Abgesehen von neurophysiologischen Komponenten des Körperschemas gibt es noch einen weiteren wesentlichen biomechanisch wichtigen Aspekt. Wir sprechen von der Diversifikation nach Dolto, der Einteilung muskulärer Strukturen in die so genannten gymnastischen oder Bewegungsmuskeln und den kybernetischen Muskeln. Daraus resultiert in Folge, dass in jungen Jahren einmal falsch oder schlecht einstudierte Bewegungsabläufe nur sehr schwer zu korrigieren sind. Zur Erlangung des richtigen Körpergefühls auch unter dem Reiter dient in erster Linie eine solide Grundausbildung, die z.B. nach der HDV 12 erst nach dem 2. Trainingsjahr (alte Remonte) als abgeschlossen angesehen werden kann, wo wir in Analogie zum Aufbau der Faszienstabilität dieses Zeitfenster auch im Kampfsport oder Leistungssport sehen. Die so geförderte alte Remonte kann danach den Weg ihrer Bestimmung, eine weitere Spezialisierung als Dressur, Spring- oder Vielseitigkeitspferd einschlagen.  Psychische und durch das Wachstum bedingte physische Überbelastungsmomente werden so weitestgehend ausgeschlossen und das Pferd in der Prägephase von Bewegungsabläufen und seiner Einstellung zur Arbeit im Unterbewusstsein positiv unterstützt. Jedoch darf und muss es lernen mit Stress und Aussenreizen umzugehen. Auch die innere Stimmung des Menschen wirkt sich auf die Lernfähigkeit des Pferdes aus. Grundsätzlich ist der Umgang mit dem Pferd einfach, wir Menschen denken zu kompliziert. Es müssen ausreichend Reize für den Muskelaufbau gesetzt werden. Für die im Pferd genetisch angelegten Bewegungen müssen mit den Reiterhilfen verknüpft werden. Die Übung macht den Meister. Neue Lerninhalte sollen am Anfang einer Reiteinheit kommen und nicht am Ende. Pferdegerecht bedeutet in diesem Kontext, dass die Dressur als biomechanische Gymnastik zubetrachten ist, die das Pferd bestmöglich im Rahmen seiner Möglichkeiten fördert, es für seinen Verwendungszweck stärkt. Die Dressur ist unabdingbar mit der Akzeptanz der grundlegenden Bedeutung der Psychomechanik hinsichtlich des Lernerfolges verbunden. Dressieren soll in diesem Zusammenhang mit Erziehen und Formen gleichgesetzt und nicht mit dem stupiden Repetieren von Übungsabläufen verwechselt werden. Dressur und das Wissen der Psychomechanik hinsichtlich des Lernerfolges müssen heutzutage eng verbunden sein. Wenn das Pferd während der Ausbildung schöner, gesünder, stärker und motivierter wird, dann haben wir Reiter einen guten Job gemacht. «Das alte Wissen um die Pferde darf nicht verloren gehen und sollte mit den heute zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Möglichkeiten studiert werden.» 
In seinem zweiten Vortrag sprach er über die tierärztliche Tätigkeit und Sorgfaltspflicht im Fokus eines Gerichtsgutachters. 
Die Präsidentin des SVTPT, Brigitte Stebler, erklärte dass die heutigen Pferde eindeutig übertherapiert sind. Einerseits aus dem femininen „Super-Helper-Syndrome“ und aus Überforderung des Reiters, welche sich vielfältig zeigt. Ein selbstverantwortlicher Weg des Besitzers aus dem Kreislauf der Übertherapie ist von Notwendigkeit. 
Sandra Schaefler vom Schweizer Tierschutz stellte fest, dass sowohl Langeweile als auch Überforderung tierschutzrelevant ist. Langeweile ist in allen Haltungsformen möglich aber auch in Bezug auf die Nutzung des Pferdes mit seinem natürlichen Bewegungsbedarf und -bedürfnis. 
Stéphane Montavon, Chef Veterinärdienst der Schweizer Armee und med. vet. Charles Trolliet erklären denBegriff Ethik im Zusammenhang mit der Pferdewelt. Sie spielt eine immer grössere Rolle in unserer Gesellschaft, die sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet und in der sich die Stellung des Pferdes stark verändert hat. Reiter, Pferdebesitzer und Pferdehalter müssen sich fragen, ob ihr Verhalten gegenüber Pferden ethisch korrekt ist. Dies erfordert nicht nur Nachdenken, sondern vor allem Grundkenntnisse über Equiden, ihre physischen wie psychischen Funktionen und ihre Bedürfnisse. Das Image des Pferdesports, ob als Wettkampf oder Freizeitsport, wird entscheidend für die eigentliche Zukunft des Pferdes und aller damit verbundenen Aktivitäten sein. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass dieses Image sowohl innerhalb der Branche als auch gegenüber der breiten Öffentlichkeit positiv ist, damit das Pferd seinen Platz in unserer Zivilisation behält und sich diese in den kommenden Jahrzehnten weiterentwickelt.
Die Pferde werden immer athletischer, schneller, beweglicher und die Menschheit wird fauler, langsamer und ängstlicher. Wohin führt das?
An den Podiumsdiskussionen gaben Martin Plewa für die Warmblutszene, Simone Reiss für den Westernsport, Roman Spieler für die Islandpferde und Berni Zambail, ein rassenübergreifender Horseman, ihre Wahrnehmung zu den Themen und beantworteten zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Im Focus stand die Glaubwürdigkeit des Pferdesportes gegenüber der Öffentlichkeit. Die Stellung des Pferdes in unserer Gesellschaft, der Paradigmenwechsel vom Nutztier zum Begleiter, bringt immer mehr „Boreout“-Pferde hervor. Das hat weder mit Tierwürde noch mit dem Tierwohl etwas gemeinsam und kann durchaus gefährlich werden. Die Pferde haben in der Natur keine Probleme – sondern erst wenn der Mensch sie zu sich nimmt. Der Reiter muss diese Verantwortung vollumfänglich tragen. Wissen und Können aufbauen mit genügend Selbstreflexion, Objektivität und Sensibilität. 
«Menschen lieben es, wie Menschen behandelt zu werden und Pferde lieben es, wie Pferde behandelt zu werden.» 
​Referierende:           
Dr. med. vet. Stéphane Montavon 
DVM, Chef Veterinärdienst der Schweizer Armee, Schweizer Rat und Observatorium der Pferdebranche (COFICHEV)
Martin Plewa
Martin Plewa Akademie für Harmonie zwischen Menschen und Pferden, Ausbilder von Pferden, Reitern und Reitlehrern, ehem. Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter, Olympia-Goldmedaillengewinner, aktiver WM- und EM-Teilnehmer
Sandra Schaefler
Biologin, Schweizer Tierschutz, Fachstelle Pferde
Dr. med. vet. Robert Stodulka
Tierarzt allgemeine & komplementäre Medizin, Fachtierarzt für Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin, Spezialisierung Akupunktur, Osteopathie, Mitglied des Prüfungssenates der Fachtierarztprüfungskommission für Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin, Wien 
Dr. med. vet. Charles F. Trolliet
Schweizer Rat und Observatorium der Pferdebranche (COFICHEV), designierter SVPS-Präsident
Esther Weber-Voigt
Pferdephysiotherapie BMG, Strukturelle Osteopathie BMG, Bio- und Neurostimu-lation, Inhaberin und Leiterin des Lehrzentrums EWV - staatlich anerkannte Einrichtung nach dem Weiterbildungsförderungsgesetz M-V, DQS ISO 9001 und AZAV international zertifiziert, mobile Fahrpraxis, Initiantin Forum «Pferd und Mensch» an der Pferd Bodensee.
Prof. Dr. med. vet. Michael Weishaupt, PhD, Dipl. ACVSMR
Leitung Sportmedizin, Vetsuisse-Fakultät UZH, Fachgebiete: Leistungsphysiologie, Biomechanik/Bewegungswissenschaft, Satteldruckmessung
Zürich

Gastkommentator*innen:                                 
Gangpferde:        
Roman Spieler, 
Inhaber Islandpferdehof Lieburg, IPVCH Trainer A,  
Ausbilder, Sportrichter, Erwachsenenbilder SVEB 1, Mitglied
Nationalkader, aktiver internationaler Sportreiter
 
«Leidenschaft leben»

Western:               
Simone Reiss, Präsidentin SWRA, Spezialistin Pferdeberufe, Vorstand OdA Pferdeberufe
 «Mentale und körperliche Einheit zwischen Reiter und  Pferd.»
Horsemanship:   
Berni Zambail
, 6* Parelli Master, 
 «Die Leute kommen, wenn nichts mehr geht...»
Therapie:              
Brigitte Stebler, Tierphysiotherapeutin mit Eidg. Diplom, Präsidentin SVTPT, 
 «Das Thema liegt mir am Herzen.»


Wohin fliesst der Erlös aus dem Symposium PFERDE 2021?
Dank zwei sehr gut besuchten Veranstaltungen, unseren Referenten, die auf den Grossteil des Honorars verzichtet haben und den Sponsoren, können wir nun doch eine beachtliche Summe für die Forschung rund um das Wohlbefinden unserer Pferde investieren.
Die Richtlinien für einen finanziellen Beitrag an einer Studie sind:
Das Ergebnis soll einen Mehrwert für die breite Pferdewelt bringen. Die Studie soll repräsentativ aufgegleist und somit aussagekräftig sein. Sie hat keine nationale und internationale Doppelspurigkeit zu anderen bereits abgeschlossenen oder aktiven Studien. Die Arbeit soll auf dem aktuellen internationalen Wissen aufbauen.

Das Fazit des Symposiums gilt als Herausforderung: 
Der Geheimtipp von Prof. Vervuert lautet: 
Verwenden Sie DAS Supplement des Jahres! 
Ein Produkt für Wohlbefinden, Sättigung, Zahngesundheit, Prävention Magenschleimhautveränderungen, Elektrolyte, Wasserhaushalt, Magen-Darm-Stabilisator und Vitamine. 
Es heisst HEU, lieber in ein qualitativ einwandfreies Heu investieren als in Supplemente zur «Darmstabilisierung».
Projektgruppe pferdegerechtes Raufutter (nicht nur noch HEU!)
ZIELDEFINITION:
Die Produktion und pferdegerechte Qualität von Raufutter (Heu, Haylage, Stroh) in zwei Sorten (Erhalt/Leistung) von der Saat bis zur Futternachbehandlung festzulegen, unter Berücksichtigung des Klimawandels, Nutzung von adäquaten technischen Hilfsmitteln der Landwirtschaft und der Lungengesundheit der Pferde. Den Wissenstransfer in Print, Schulung für alle Beteiligten sicherzustellen.


Wer in den letzten Jahren nicht teilnehmen konnte, kann die Vorträge herunterladen:  https://www.corinnehauser.ch/shop-symposium-pferde.html#/]]>
<![CDATA[January 17th, 2023]]>Tue, 17 Jan 2023 14:28:39 GMThttp://www.corinnehauser.ch/archiv-symposien-pferde/january-17th-2023Symposium PFERDE  2021 PferdeGASTROnomie
Vetsuisse-Fakultät Zürich
Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Mit diesem Zitat der WHO leitet PD Dr. med. vet. A. Mösseler ihren Fachvortrag ein.
 
Sieben Referierende haben sich für den 5. und 6.November im Klinikdemonstrationssaal der Vetsuisse-Fakultät Zürich für diesen Anlass eingefunden. Pro Tag nahmen fast 100 Personen teil. 
 
Aber was wissen wir wirklich über die moderne Pferdefütterung?
 
Gesundheit hat viele Graustufen, z.B. die leicht verlaufenden Erkrankungen, die sich erst später als Störung des Allgemeinbefindens bemerkbar machen. Je «fitter» die Pferde sind, umso besser können störende Noxen/Stressoren vom Pferdekörper kompensiert werden. 
 
Wohlbefinden können wir z.B. mit Herz- und Atemfrequenz oder Haltung und Mimik messen. Die Vermenschlichung des Tieres entspricht in keiner Weise dem Bedürfnis nach Wohlbefinden des Pferdes. Wichtig für das Wohlbefinden ist u. A. eine langsame, kontinuierliche Raufutteraufnahme ohne Stress. 
 
Präventiv können wir die Bedürfnisse nach Licht, Luft und Bewegung (Haltung), Kontakt zu Artgenossen, regelmässige Hufbearbeitung, angepasste Fütterung und optimale Ausrüstung erfüllen. Es gibt nicht DIE optimale Haltung – sondern die Haltung muss INDIVIDUELL dem Pferd angepasst werden. Es kommt zu ernährungsbedingten Störungen beim Pferd, wenn wir es falsch oder überfüttern. Eine Über- und Unterversorgung mit Energie sieht man auf den ersten Blick – bei den anderen Nährstoffen ist es oft nicht so eindeutig.
 
Thomas Hinterberger, Leiter der Futtermittelkontrolle, informierte über die Arbeit zur Kontrolle der Hygiene und Herstellpraxis von Futtermitteln. Alle in der Schweiz erhältlichen Futtermittel müssen eine Deklarierung ausweisen und schweizerische Futtermittelproduzenten werden stichprobenweise auf die Hygiene geprüft. Aber nicht nur beim Hersteller muss auf Schimmelpilze, Salmonellen etc. aufgepasst werden – sondern auch im Stall in der Futterkammer. Nur wenn bis und mit hier die Hygiene eingehalten wird, ist das Futter gut. Die Futtermittelhygiene ist ein wichtiger Bestandteil der artgerechten Fütterung. Zu bedenken gilt, dass selbsthergestellte Futtermittel nicht geprüft sind, meistens keine Deklaration ausweisen und somit ein gewisses Risiko in sich tragen. Wir müssen immer daran denken, dass das Pferd uns ausgeliefert ist. Der Mensch kann hingegen selbst entscheiden, was er isst. 
 
Die grosse Qualitätsproblematik liegt bei der Heuherstellung. Hier gibt es keine Inspektion seitens Agroscope. Raufuttermittel weisen vielfach erhöhte Schimmelpilzgehalte auf, welche als bedenklich einzustufen sind. Auch die vermehrten Atemwegserkrankungen bei Pferden könnten das Resultat von schlechter Qualität sein. Der Heuproduzent muss genügend selbstkritisch sein und vorbildlich Arbeiten, um eine einwandfreie, für Pferde adäquate Qualität machen zu können. Das Risiko von Giftpflanzen im Heu ist nicht zu unterschätzen, ebenfalls muss eine ordentliche Weidebearbeitung dauerhaft über Jahre erfolgen, bis optimales Heu für Pferde gewonnen werden kann. Der Transport und die Lagerung des Raufutters müssen ebenfalls unter besten Bedingungen geschehen. Der Kaufentscheid sollte nicht vom Preis, sondern von der Qualität des Raufutters abhängig sein.
 
Verdauungstrakt 
Prof. med. vet. I. Vervuert schildert, dass die Speichelbildung den Magen schützt. Das Pferd bildet genügend Speichel bei langer Fressdauer. Deswegen ist es wichtig, genügend Raufutter zu verabreichen. Das Raufutter befriedigt nicht nur das Kaubedürfnis, sondern schafft physiologische Milieubedingungen im Hauptteil des Verdauungsapparates, der von der Speiseröhre bis zum Anus reicht. 
 
Die Kraftfutteraufnahme stellt eine kritische Komponente für gesundheitliche Störungen dar. Die Mahlzeitengrösse darf nicht zu gross sein und muss über den Tag verteilt werden. Die alte Regel «zuerst das Heu, dann das Kraftfutter» macht noch heute Sinn, wenn wir an die Speichelbildung denken.
 
Wie gut reflektieren Blut- und Haaranalysen die Nährstoffversorgung bei Pferden?
Die unreflektierte Gabe von Spurenelementen und Vitaminen – wenn möglich noch mit verschiedenen Ergänzungsfuttermitteln führt häufig zu einer deutlichen Selen-Überversorgung, wobei Haarverluste, Lahmheiten bis hin zu Hufdeformierungen mit Kronsaumentzündungen und Ausschuhen auftreten können.
 
Frau Prof. Dr. med. vet. I. Vervuert erklärt, dass eine adäquate Zufuhr von Spurenelementen für die Erhaltung der Gesundheit und für das Erbringen von Leistung unabdingbar ist. Sind denn die Gehalte an Kupfer, Zink, Mangan, Selen oder Jod im Blut geeignet, um die Versorgungssituation mit den entsprechenden Spurenelementen adäquat bei Pferd zu beurteilen? Blut ist nur ein Transportmittel. Wenn eine Substanz zu wenig oder zu viel angezeigt wird, heisst das noch lange nicht, dass eine Unter- resp. Überversorgung vorliegt. Es kann sein, dass das Pferd Element in einem Organ benötigt, und deswegen weniger im Blut mit sich führt. Oder es hat eine genügende Versorgung, dann wird es via Blutkreislauf aus dem Körper geschafft. 
 
In der Regel ist die Selen- und Jodaufnahme mit Raufutter und Getreide immer bedarfsunterschreitend. Eine Kombination aus der Bewertung der Selen-Aufnahme aus den Ergänzungs- und Mineralfuttermitteln und der Selen-Konzentration im Plasma ist empfehlenswert. Bezüglich Jod-Konzentrationen im Blut gibt es wenige Untersuchen, allerdings konnte bei Ponys ein enger Zusammenhang zwischen der Jod-Aufnahme und den Jod-Gehalten im Urin festgestellt werden. Die Jod-Versorgung kann nicht über Grundfuttermittel bedarfsdeckend zugeführt werden, sodass jodhaltige Ergänzungen sinnvoll sind. In den letzten Jahren werden in der Pferdefütterung allerdings zunehmen Algenprodukte eingesetzt, die z.T. sehr hohe Jod-Gehalte aufweisen, sodass bei einem wahllosen Einsatz unterschiedlicher Ergänzungen auch eine stark überhöhte bis kritisch hohe Jod-Zufuhr bei Pferden beobachtet werden kann. Die Dozentin der Universität Leipzig empfiehlt die Rationsüberprüfung als primäres Tool zur Abklärung der Jod-Aufnahme bei Pferden einzusetzen.
 
Aufgrund der Speicherbarkeit von Kupfer in der Leber kann spekuliert werden, dass kurz- bis mittelfristige Engpässe in der Kupferversorgung nicht über die Plasma- bzw. Serum-Kupfer-Gehalte reflektiert werden. Um die Zink-Versorgung beurteilen zu können, sollten die absolute Höhe als auch eingesetzte Zink-Verbindungen aus der Ergänzungs- und Mineralfuttermitteln kontrolliert werden. Ergänzend sind die Plasma- bzw. Serum-Zink-Gehalte zu überprüfen, wobei erhebliche Gehalt-Variationen aufgrund der Haltung und den Gesundheitszustand zu berücksichtigen sind. Mangan eignet sich nicht zur Darstellung. Ein Mangan-Mangel bei Pferden ist nicht zu erwarten. 
 
Bei Haaranalysen muss einerseits entschieden werden, ob die Versorgung über den letzten Monat oder über die letzten 4 Monate gemacht werden soll. Die Mähnen- und Schweifhaare wachsen im Schnitt ca. 2 cm/Mt. Das Deckhaar eignet sich nicht. Die Haaranalyse kann lediglich für den Nachweis von Schwermetall genutzt werden. 
 
Sie empfiehlt die Rationsüberprüfung als primäres Tool zur Abklärung der Spurenelementaufnahme bei Pferden zu verwenden.
 
Der Geheimtipp von Prof. Vervuert lautet: Verwenden Sie DAS Supplement des Jahres! Ein Produkt für Wohlbefinden, Sättigung, Zahngesundheit, Prävention Magenschleimhautveränderungen, Elektrolyte, Wasserhaushalt, Magen-Darm-Stabilisator und Vitamine. Es heisst HEU, lieber in ein qualitativ einwandfreies Heu investieren als in Supplemente zur «Darmstabilisierung».
 
Frau Dr. med. vet. B. Musterle spricht für einmal Gedanken aus der Praxis laut aus, wobei wir schon wieder bei dem Thema «Liebe geht durch den Magen» angekommen sind. Allerdings hat weder der Pferdebesitzer noch der Tierarzt den Überblick über die diversen Futtermittel, Fütterungsberatungen oder die «social-media-Tipps» mit viel Halbwissen oder gar Fehlinformationen. Googeln Sie mal Futtermittel/Islandpferd – hier bekommen Sie 56'000 Ergebnisse! Leider sehen wir Pferdeleute die übergewichtigen Pferde als durchschnittlich und die «Perfect-in-shape»-Pferde als zu dünn an. Bei Ponys wird anscheinend das Übergewicht weniger negativ bewertet als bei Pferden. Bereits österreichische Tierärzte warnten: «Unsere Pferde werden immer dicker!» Viele «Rösseler» wissen eigentlich, dass es ein Problem mit übergewichtigen Pferden gibt, aber nehmen dies im eigenen Umfeld nicht mehr wahr! Das uralt-Sprichwort «Ich will die Rippen mit der flachen Hand fühlen, aber nicht sehen.» hat immer noch seine Gültigkeit. Allerdings braucht der Beobachter ein geschultes Auge bei der grossen Vielfalt an Pferdetypen. Für das Wohlbefinden des Pferdes ist es unabdingbar, dass eine offene Kommunikation zwischen Pferdebesitzer und Tierarzt stattfinden kann. Wir müssen wieder schlankere Pferde haben, pauschale Antworten sollten hinterfragt werden dürfen. 
 
Ad libitum – heisst eigentlich «nach Belieben» und nicht 24/7/365
Alle Referentinnen waren sich einig: Es heisst immer, dass das Pferd in freier Wildbahn 15-20 Std am Fressen sei. Dem ist nicht wirklich so! Das Pferd verbringt 15-20 Std./Tag auf FutterSUCHE. Die freie Wildbahn war ursprünglich eine karge Steppe nicht das bei uns übliche «Power-Gras» für die Milchproduktion. Der heilige Gral der Ad Libitum-Fütterung sollte korrekt umgesetzt werden. Die Pferde sollen mit Futter beschäftigt werden, natürlich in bedarfsgerechter Tagesration
 
Slowfeeding: Die ideale Lösung für artgerechte Pferdefütterung?
Fressen macht zwar glücklich – leider auch dick – so leitet Christa Wyss, Dipl. Ing. Agronomin ETHZ, ihren Fachvortrag ein. Bitte beachten Sie das «?» welches die Referentin, absichtlich im Titel gesetzt hat. Verschiedenste Systeme sind auf dem Markt. Die Agronomin und Ethologin des Schweizer Nationalgestütes kann keine Empfehlung aussprechen, weil das Pferd individuell entscheidet, welche Variante am besten passt. Die Beobachtung des Tieres ist das A und O. Der optimale Slowfeeder gibt es «noch» nicht... Es gibt sehr wenige wissenschaftliche Studien, welche zwar bestätigen, dass eine längere Aufnahmezeit stattfindet, dennoch sind mehrere Fragen zu Langzeiteffekten, wie z.B. potenzielle Schäden von Zähnen, Zahnfleisch oder Tasthaare, noch nicht wissenschaftlich untersucht worden. Alle verfügbaren Systeme müssen individuell auf die Pferde einstellbar sein. Die Pferde sollen schrittweise angewöhnt werden. Sie müssen ruhig ohne Hektik fressen können. Gerade bei den Futterautomaten ist das ein bekanntes Problem. Bis sich die Herde eingegliedert hat, dauert es 5-10 Min. dann muss so rasch als möglich gefuttert werden, weil das Ding sich meist von oben nach unten wieder schliesst. Besser wäre es, wenn der Automat sich von unten nach oben schliessen würde. Dann kommt die aktive Warterei auf die nächste Ration, wobei sich die Pferde nicht wirklich entspannen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass doppelt so viele Fressplätze angeboten werden müssen, wie es Pferde in der Herde hat. Das Raufutter soll in verschiedenen Systemen angeboten werden, um zur Bewegung aufzumuntern. Die Verletzungsrisiken bei Slowfeeder und Futterautomaten müssen regelmässig kontrolliert und eliminiert werden.
 
Heu oder Haylage? 
Die Konservierungseigenschaften, die Nährwerte und mikrobiologische Qualität des Futters wurden in einer wissenschaftlichen Studie von Agroscope im Hinblick auf die Pferdefütterung bewertet. Das Raigras wies im Vergleich zur Gräsermischung tiefere Rohasche-, Rohprotein-, Rohfaser und verdauliche Rohproteingehalte sowie höhere Zucker- und Fruktangehalte auf. Raigras enthält mehr an verdaulicher Energie als die Gräsermischung. Die Konservierungseignung zu Herstellung von Haylage war sowohl für das italienische Raigras als auch für die Gräsermischung mit Luzerne gut. Im Heu war das Rohproteingehalt, das verdauliche Rohprotein tiefer als in der Haylage, der Fruktangehalt war hingegen höher. Grosse Unterschiede gab es bei der mikrobiologischen Qualität der Haylage und des Heus. Weil das Heu beim Pressen nicht genügend trocken war, wies es nach der Lagerung einen hohen Schimmelpilzbefall auf. In diesem Fall sollte die bevorzugt werden auf Grund der tieferen Fruktangehalte und geringerem Schimmelpilzbefall.
 
Uneingeschränkter Zugang zu hygienisch einwandfreiem Wasser
Ein Aspekt, der häufig vernachlässigt wird. Wissen Sie wirklich, wie viel ihr Pferd trinkt? Trinkt es genügend aus der Tränke? Pferde lieben offenes Wasser vom Brunnen. Jedoch ist dies nicht immer möglich. Es muss gewährleistet werden, dass das Pferd leicht zum Trinken kommt, keine Angst vor dem spritzenden Wasser oder Artgenossen hat. Es gibt verschiedenste Tränkesysteme auf dem Markt oder wählen Sie die günstigere Variante: Bieten Sie Ihrem Pferd doch zusätzlich jeden Tag selbst einen Eimer Wasser an, temperiert mögen Pferde es besonders gerne. 
 
Mikrobiom und Probiotika beim Pferd
Das Fazit der Wissenschaft, vorgestellt von Prof. Dr. med. vet. I. Vervuert: Die aktuell zugelassenen Stämme der Hefe Saccharomyces cerevisiae (Stand Sept.21) gehören nicht zur physiologischen equinen Mikrobiota, was ihre Wirksamkeit stark in Frage stellt. Auch können bei praxisüblichen Rationen mit einem adäquaten Anteil an Raufutter keine Effekte der SC Supplementierung bei Pferden gefunden werden.
 
Hervorzuheben ist, dass eine adäquate und leistungsangepasste Rationsgestaltung, d.h. raufutterreich, mindesten täglich 1.5 kg Trockensubstanz/100 kg KM (Gras, Heu, Heulage), eine Restriktion der Stärkeaufnahme auf maximal 100g/kg KM pro Mahlzeit sowie eine einwandfreie Futtermittelhygiene die wesentlichen Voraussetzungen für eine erwünschte Mikrobiota beim Pferd darstellen.
 
Moderne Futterberatung unter Berücksichtigung der genetischen Varianz
Das ist pferdegerechte Fütterung in der heutigen Zeit. Constanze Röhm informiert über die Problematik, dass die Berufsbezeichnung «Futterberatung» gesetzlich nicht geschützt ist. In diesem hoch wissenschaftlichen Arbeitsfeld, wo viele Studien pro Jahr veröffentlicht werden, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein paar Wochenendkurse in Fütterung besucht oder aber mit ausgewiesenem Background eine mehrjährige Weiterbildung absolviert hat. Auf der laienhaften Basis resultieren Empfehlungen, welche gelegentlich absolut keinen Sinn ergeben. Als Beispiel ist das «Entgiften» nicht ungefährlich für das Pferd, auch in der Humanmedizin rät man von diesem Thema ab. Es gibt eine Anzahl von Exterieur spezifischen Aspekten, um ein Pferd in der Futterigkeit beurteilen zu können. Auch die Behaarung hat einen Einfluss auf die Nährstoffversorgung. Z.B. der Röhrbeinumfang sagt einiges zum Idealgewicht des Pferdes aus. 68% der Kundenpferde, die Frau Röhm betreut sind zu dick – diese Zahl darf man ruhig auch auf die Schweizer Pferdepopulation übernehmen. Die Frage, wann ist mein Pferd gesättigt, kann nicht nur über die Anzahl Kauschläge gemessen werden, auch nicht über die Steuerung in kg von Heu und Stroh. Sondern lediglich durch beobachten. Geben Sie Ihrem Pferd einen abgewogenen riesigen Berg Heu. Beobachten Sie, wann ihr Pferd vom Heu wegläuft, um sich in die Sonne zu stellen, zu spielen oder zu trinken. Dann wissen Sie, wie viele Stunden es braucht, bis ihr Pferd satt ist und können die Menge, die übrig bleibt wiegen und vom Gesamtgewicht abziehen. Sie wissen nun, wie viel Rohfaser ihr Pferd braucht, bis es sich satt fühlt. Die genetische Prädisposition der Pferderasse, muss bei der Fütterung berücksichtigt werden. Der Reitende soll auf dem Boden der Tatsachen bleiben, man kann aus einem Freiberger keinen Vollblüter machen und aus einem Vollblüter keinen Quarter.
 
Fütterungsbedingte Metabolische Erkrankung.
Med. vet. S. Oesch informiert, dass eine Diagnose «EMS» oder andere «Muskelerkrankungen» wichtig ist. Denn therapeutisch spielt die Diät bei diesen Patienten eine wichtige Rolle. Bei «EMS» müssen die Tiere kontinuierlich 1.25-1.5% vom Körpergewicht verlieren. Eine ausreichende Versorgung mit Proteinen, Vitaminen und Mineralien muss gewährleistet sein. Es muss kurzfristig versucht werden, die Insulinausschüttung bei diesen Pferden mit einer ID zu begrenzen, das heisst der Gehalt an nichtstrukturellen Kohlenhydraten im Heu soll weniger als 10% betragen. Auf Getreide, Karotten, Äpfel muss ganz verzichtet werden. Allenfalls kann eine medikamentöse Behandlung unterstützend eingesetzt werden. Der Behandlungserfolg sollte auf der Grundlage von wiederholten (dynamischen) Tests und nicht nur anhand des Gewichtsverlustes evaluiert werden. 
 
Es muss zwischen der «Belastungsmyopathie» und der «atypischen Weidemyopathie» unterschieden werden. Nur mittels einer genauen Diagnose kann eine gezielte und optimale Futterration berechnet werden, welche bei PSSM und Atypischer Weidemyopathie gegensätzlich zusammengestellt ist.
 
Das grosse Thema, wie geht Diät beim Pferd?
Zuerst muss das Pferd gewogen oder mittels Pferdemassband eingestuft werden. Dann beurteilt man objektiv das Pferd in den Regionen Schweifansatz, Kruppe, Widerrist, Mähnenkamm, seitliche Brustwand und Ellbogenregion mittels des BCS (Body Condition Score). 
 
Damit Energie aus dem Fettgewebe mobilisiert wird, muss die Energiezufuhr den Energieverbrauch unterschreiten – also wie bei uns Menschen. Das Pferd bekommt 70% Energie, die es bei seinem IDEAL-Gewicht benötigten, würde. Damit es keine längeren Fresspausen gibt und das Pferd sich trotzdem gesättigt fühlt, wählt man ein Heu, das spät möglichst geschnitten wurde, allenfalls sogar schon abgesamt hat. In der Praxis bewährt sich 2/3 Heu und 1/3 Stroh. Wie beim Menschen müssen sich die Pferde mehr bewegen – nicht nur in der Herde, sondern wirklich gefördert werden. Um einem allfälligen Muskelabbau entgegenzuwirken, darf das Pferd ruhig etwas Öl, Luzerne oder Soja erhalten.
 
Den Erfolg überprüfen sie entweder durch das Wiegen oder mittels dem Pferdemassband, das gibt ihnen bereits einen guten Hinweis. Leider verlieren wir Pferdebesitzenden auch schon mal die Konsequenz und das Auge. Machen Sie regelmässig Fotos ihres Pferdes und vergleichen Sie diese. Sofern der Pferdebesitzende nicht in alte Muster zurückfallen, entstehen keine Jo-Jo-Effekte.
 
Auch die Seniorenfütterung ist mittlerweile ein grosses Thema. Ihnen muss eine individuell angepasste Futterration angeboten werden können, dafür braucht es ein fundiertes Wissen – am besten fragen Sie in der Tierarztpraxis oder bei einer anerkannten Fütterungsberatung nach.
 
Fazit:
Prof. Dr. med. I. Vervuert’s Aussage trifft ins Schwarze: «Jesus konnte aus Wasser Wein machen. Das Pferd kann aus Wein Wasser machen! Lasst den bestens funktionierenden Pferdekörper einfach machen, das ist eine durchaus gelungene und produktive Konstruktion.» 
 
Immer wieder kritisieren alle Referentinnen den Stress bei der Fütterung und die falsch verstandene Ad-libidum-Fütterung. Sie empfehlen keine 24/7/365-Fütterung. Die Futterautomaten sollten nachts ausgeschalten werden, damit die Herde zur Ruhe kommen kann, oder Pferde gegebenenfalls abtrennen. Das Stroh sollte als Futtermittel wieder wertgeschätzt werden.
 
Auch wenn das Fazit mit einer adäquaten Raufutterversorgung - in der heute doch so modernen Zeit - fast banal klingt, zeigt die Erfahrung, dass dies in der Praxis häufig nicht realisiert wird.
  1. KISS (Keep it simple and stupid): Einwandfreies Raufutter + Mineralfutter + Salzleckstein genügen in den meisten Fällen. Mischen Sie nicht verschiedenste Produkte.
  2. Allenfalls etwas Eiweiss für den Muskelaufbau oder Muskelerhalt bei einer Diät. 
  3. Ehrlichkeit: Meistens genügt eine Erhaltungsfütterung oder maximal für leichte Arbeit.
  4. Futterplan selbst berechnen. So können Sie gewährleisten, dass ihrem Pferd an Nährstoffen nichts fehlen wird. An Haarproben sollten Sie erst gar nicht denken.
  5. Dem Pferd die angemessene Bewegung nicht nur im Auslauf sondern auch mit dem Reiter ermöglichen.
  6. Der Pferdebesitzende muss sein Auge schulen, um sein Pferd richtig einschätzen zu können.
 
In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Pferde nach Optimierung von Fütterung, Haltung und Training deutliche Leistungssteigerungen zeigen und oftmals «ausgeglichener» sind – wenngleich vorher keine offensichtlichen Symptome einer Erkrankung erkennbar waren. Die Kombination aus Beobachtung, klinischer Untersuchung durch den Tierarzt sind dabei der Schlüssel zum Erfolg.
 
 
Dank den Teilnehmenden, den grosszügigen Honorarspenden aller Referierenden und unseren Sponsoren, konnten wir eine ansehnliche Summe für die Forschung sammeln. Das Organisationsteam finanziert Studien, die einen Mehrwert für die breite Pferdewelt bringen.

​Denn wir alle wollen die Gesundheit, die Leistung, das Wohlbefinden und die Langlebigkeit unserer Pferde. Zusammen mit ausgewiesenen Pferdeexperten, unterstützt von der Forschung, schaffen wir das. 
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<![CDATA[Symposium PFERDE 2019                     DIE SCHWEIZER RÜCKENSTUDIE]]>Thu, 24 Feb 2022 14:44:27 GMThttp://www.corinnehauser.ch/archiv-symposien-pferde/symposium-pferde-2019-die-schweizer-rueckenstudieTAKE HOME MESSAGE
Wie steht es denn nun wirklich um die Rückengesundheit unserer Schweizer Reitpferde?

Zum ersten Mal wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse
​aus mehreren Jahren Projektarbeit präsentiert. Basis für die Studie waren 248 Reiter-Pferd-Paare. Prof. Dr. med. vet. M. Weishaupt erklärte kurz die Studienbasis und den Zusammenhang zwischen Exterieur und Sport. 

 
Erfreulich war die zunehmende Tendenz zur Offenstallhaltung. Fast alle Pferde haben Zugang zur Weide. Nur 1/3 der Pferdebesitzer wissen nicht, was gefüttert wird. 60% der Teilnehmer füttern Futterzusätze (Mineralstoffe, Salz ausgeschlossen). Gemäss Studienresultate werden die Pferde durchaus fleissig geritten. Die Hufbeschlagsperioden waren eher an der oberen Grenze zu finden. Viele Barhufer hatten sehr gepflegte Hufe, allerdings gingen viele klamm beim Vortraben, was mit Schuhen kompensiert werden musste. Bei 32% der Pferde wurde bereits in der Krankenvorgeschichte eine Erkrankung am Bewegungsapparat diagnostiziert, was im internationalen Vergleich (50%) eher wenig ist. 
 
Der Trainer/Reitlehrer übt den grössten Einfluss auf die Reiter-Pferd-Paare aus. Die StudienteilnehmerInnen tendierten zu einer Überschätzung ihrer reiterlichen Fähigkeit.
 
Komplexität - Kritikfähigkeit
1/3 aller Pferde zeigten mittel- bis hochgradige Rückenschmerzen an. Ein Zusammenhang mit Unwohlsein beim Putzen kann bestätigt werden, auch Magengeschwüre sollten im Zusammenhang mit Rückenproblemen beachtet werden. Es konnte kein direkter Zusammenhang mit der Reitqualität gefunden werden, was aber nicht heisst, dass der Reiter nun nicht mehr Reiten lernen muss, sondern es zeigt auf wie KOMPLEX das Thema Rückenschmerzen ist und die Schmerzen nicht nur auf einen Faktor heruntergebrochen werden können. Auch das Symptom Headshaking, wie Dr. med. vet. Markus Scheibenpflug als Teilnehmer einbringt, hat höchstwahrscheinlich die Ursache basierend in Rückenprobleme. Als Schlüsselpunkt muss man der Schultergürtelmuskulatur mehr Beachtung schenken, damit diese auch als Stossdämpfer wirken kann.
 
Um eine nachhaltige Genesung und Gesunderhaltung des Reitpferdes zu erreichen, sind deshalb nicht nur das Ausschalten von Schmerzen, sondern auch das Eliminieren von möglichen Einflussfaktoren und das erneute Erlernen von reitspezifischen Bewegungsabläufen zentral. Auch ist eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen unter den Fachleuten rund um das Reiter-Pferd-Paar sinnvoll.
 
(Anmerkung C. Hauser) Wenn das Pferd bereits Fehlbewegungen manifestiert hat, dauert es ein xfaches mehr an Zeit bis ein Bewegungsfehler in eine gesunde Bewegung reprogrammiert werden kann, als man gebraucht hat, um diesen zu manifestieren. Meist trifft man Pferdebesitzer an, die sich nicht mehr trauen, das Pferd aktiv zu bewegen. Aber durch die korrekte Aktivierung der Muskulatur kann das Pferd überhaupt aus diesem negativen Kreis herauskommen.
 
In der Diskussion mit den Fachleuten stellte sich eine weitere Hürde auf dem Weg zum nachhaltigen Wohlbefinden der Pferde dar: Diejenigen Reiter, die lieber eine Materialschlacht betreiben, statt sich vom anerkannten Profi ausbilden zu lassen. Der Reitlehrer müss dem Reiter-Pferd-Paar vermehrt ins Gebet nehmen dürfen und um auf diesen nachhaltigen Weg weiter sensibilisieren zu können. Der Besitzer sollte nicht gekränkt reagieren, wenn vom Trainer kritische Punkte angesprochen werden. 
 
Alter und Widerristhöhe
Frau Prof. Dr. med. vet. Ohlerth informierte über die Art und Weise des Röntgens und der Ultraschalluntersuchung, wie die Bilder zu interpretieren sind und welche Vorteile der beiden bildgebenden Diagnostiken sind. Die Arthrose nimmt signifikant mit dem Alter und der Widerristhöhe zu. Warmblüter haben häufiger Arthrose. Nicht nur die Sattellage und die Lendengegend, sondern auch die Halswirbelsäule sind davon betroffen. Eine bei Warmblütern häufiger aufgetretene Arthrose im Iliosakralgelenk korrespondierte nicht mit einer allfällig diagnostizierten Hinterhandlahmheit. 
 
Umdenken – reiterfreundliche vs. pferdefreund-liche Sättel
Über 70% der Sättel waren in mindestens einem Kriterium als mangelhaft bewertet worden. Urban Truniger, Sattlermeister HFP und Präsident der höheren Berufsschule VLTS erklärte eindrücklich, dass die Sattelbranche umdenken muss. Die Branche geht zu stark auf den Kundenwunsch, sprich reiterfreundliche Sättel, ein. Die moderne Pferdezucht von heute bringt Pferde mit viel Bewegungspotential auf den Markt, deshalb wäre ein leichterer oder ein flexibler Baum empfehlenswert, was allerdings häufig das Reitvermögen des Reiters überfordert. Diese Sitzunsicherheit sollte nicht primär mit dem Sattel und Pauschen kompensiert werden. Pferde sollen nicht nur im Stand sondern auch in der Bewegung, im Ist- und Soll-Zustand und in den Bewegungspotentialen beurteilt werden können. Verschiedenste gängige Messsysteme stellen eine praktikable Hilfe dar, können aber nicht als einziges Entscheidungskriterium eingesetzt werden. Ebenso die Satteldruckmessung, die eine Tendenz angibt, aber immer im Gesamten beurteilt werden muss. Ein Sattel muss auf das Pferd wie auch auf den Reiter angepasst sein. Der Reiter muss ehrlich sein reiterliches Können einschätzen und über die Nutzung des Pferdes realitätsnah Auskunft geben können. Es nutzt niemandem, wenn ein Anfänger auf einem schmalen Dressursattel mehrstündige Ausritte unternimmt. Ein breiter Sitz ist hier für Freizeit und Wanderreiten die bessere Wahl, dafür darf es ruhig ein etwas längerer Sattel sein. Eine enge Taillierung ist besser für einen tieferen Sitz, den Drehsitz und die Seitengänge - hat demzufolge eine direktere Wirkung auf den Pferderücken und bedingt einen balancierten, losgelassenen Sitz des Reiters. Ein gut passender Sattel hat auch eine optimale Begurtung. Je schmaler die Strippen angelegt sind, desto einfacher kann sich das Pferd biegen. Grundsätzlich gelten die gleichen Regeln über die Sitzform und Nutzung auch für die Westernsättel. Beim Anpassen eines Westernsattels muss immer das ganze System, also auch die Unterlage, mitbewertet werden. Ein Westernsattel kann nicht verändert werden und man muss sich durchaus bewusst sein, dass es der Fall sein kann, dass in einem Pferdeleben mehrere Westernsättel gekauft werden müssen. Bei den Springsätteln sind die Kriterien etwas einfacher als beim Dressursattel, weil die weiche Struktur über die Schultern gelegt wird. Urban Truniger wies zudem darauf hin, dass bei Rückenproblematiken eine enge Zusammenarbeit von Sattler, manueller Therapeut, Reitlehrer und Tierarzt unumgänglich ist. 
 
Wieviel Asymmetrie darf akzeptiert werden?
Frau Dr. sc. Marie Dittmann zeigte die Ergebnisse über die Händigkeit und Asymmetrie beim Pferd auf. Welche Rolle spielt der Mensch? 
Es gibt durchaus hemisphärische Spezialisierung und Dominanz, nicht nur beim Menschen, sondern auch bei anderen Säugetieren (links für rechts und umgekehrt).
Grundsätzlich weiss man, dass Reize im linken Gesichtsfeld in der rechten Hirnhälfte verarbeitet werden. Die meisten Pferde bevorzugen ein Ohr, ein Auge und ein Sehfeld (Sensorische Laterialtiät). Diese Spezialisierung hilft für reflexartige Flucht. Fohlen bevorzugen die Mutter in der linken Gesichtshälfte im Blick zu haben. Der Weideschritt und evtl. damit zusammenhängende Hufformdifferenz von rechts und links, kann durchaus auch ein Indiz der Asymmetrie sein. Auch der bevorzugte Galopp könnte u.a. aus der Asymmetrie der Hufe entstehen.
 
60% der Pferde sind links stärker im Widerrist (Studie GB), was im Ursprung das Satteln, Aufsteigen, Führen haben könnte. Auch bevorzugt der Reiter häufiger eine Hand zum Reiten. Häufig propagierte Theorien konnten nur bedingt bestätigt werden. Es ist schwierig, basierend auf einzelnen Asymmetrieparametern Rückschlüsse auf die Lateralität des Pferdes zu ziehen. Vielmehr führt wahrscheinlich eine Kombination verschiedener Faktoren zu dem Phänomen, was der Reiter als Händigkeit oder Schiefe wahrnimmt. Es konnte kein Zusammenhang des sogenannten „aus der Spur treten“ mit der hohlen Seite festgestellt werden. 
 
Prof. Dr. med. vet. Michael Weishaupt erklärte den Begriff Riding Soundness (Bewegungs- und Belastungsasymmetrien).  2/3 der von ihren Reitern/Betreuern als gesund wahrgenommenen Pferde wiesen in der Studie eine Bewegungsasymmetrie auf, die einer leichten bis mittelschweren Lahmheit entsprach. 
 
Wieviel Asymmetrie darf ein Tierarzt akzeptieren? Um die in der Rückenstudie (67% der Pferde waren Rechtshänder und 31% Linkshänder.) beobachteten Asymmetrien der Pferde besser verstehen zu können, müssen weitere Analysen durchgeführt werden. So ist es nicht geklärt, in wie weit die Asymmetrien die Pferde gesundheitlich beeinträchtigen, oder ob es sich dabei „nur“ um einen Bestandteil ihrer Händigkeit handelt.  
 
Neue Untersuchungen zeigen, dass die Fähigkeit von Pferdebesitzern oder Pferdetrainern eine Lahmheit zu erkennen, beschränkt ist. Fachleute müssen verstehen, wann Asymmetrien gesundheitlich bedenklich sind und welche als normal eingestuft werden können. 
 
Kann man Reiterliches Können messen? (Subjektive Einschätzung vs. Messung)
Herr Dr. PhD Bauer präsentierte die Erkenntnisse aus den physiotherapeutischen Untersuchungen am Reiter. Man kann gewisse Parameter messen, wie zum Beispiel die Bewegungssynchronizität zwischen Reiter und Pferd, die Bewegungssymmetrie des Reiters, Bewegungsregelmässigkeit des Reiters, die Federungseigenschaften des Reiters.
 
Zum Beispiel wurde im Vergleich zu den Messungen eine Asymmetrie des Reiters vom Richter nicht gesehen. Die Synchronizität wurde von den Richtern gesehen und beurteilt und die Bewegungsregelmässigkeit des Reiters wurde von den Richtern nicht beachtet.
 
Man kann sagen, dass die reiterliche Performance steigt, wenn die Ausdauer des Reiters steigt, wenn die Kraft steigt, wenn die Reaktionsgeschwindigkeit steigt. Die reiterliche Performance sinkt, wenn die Beweglichkeit des Reiters steigt – sprich wenn er zu beweglich ist. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen und viele Zusammenhänge müssen weiter geklärt werden, um aktiv seitens ZHAW Trainingskonzepte für den Pferdesport (Swiss Olympic und Trainer) entwickeln zu können.
 
Das Bild ist der Anfang der Bewegung
Susanne von Dietze, Dressurreiterin, -richterin und Autorin beginnt mit dem Satz
So wie der Herr so das Gescherr. -  Es gibt durchaus Parallelitäten zwischen Reiter und Pferd.“ Genau wie beim Pferd ist die positive losgelassene Spannung des Reiters zusammen mit Rhythmus und Balance der Schlüssel zur Hilfengebung und zu einem ökonomisch effektiven Sitz. 
 
Das Becken ist die Schaltstelle für die Bewegung und hat die Aufgabe das Gewicht des Oberkörpers zu verteilen und die Beinbewegung so zu zentrieren, dass sie in die Wirbelsäule weitergeleitet werden kann. Auch der Mensch hat ein muskuläres Ringsystem, welches stabilisierend wirkt. Das Aufrichten des Reiters passiert in der Bewegung und dem Kontakt mit dem Pferd. 
 
Es geht primär um die Harmonie und die Form. Jeder Reiterkörper ist anders, man muss seinen Körper perfekt bewegen und stabilisieren können. Nicht gegen den Körper, sondern mit seinem Körper reiten. Gymnastik und Training kann helfen, die Haltung zu verbessern. Vor allem ist es ein Fühlen lernen, was wichtiger ist, als das, was wir machen wollen. Ein guter Reiter braucht Herz, Kopf und Fantasie - ohne Bilder und ohne Vorstellung funktioniert es nicht. Nur wer in jedem Moment mit der Pferdebewegung mitgehen kann, wird selber ein Teil dieser Bewegung. Wir zerdenken das Reiten – das ist richtig, aber wenn wir es machen, müssen wir den Kopf ausschalten – denn sonst ist man immer hinter der Bewegung. Beim Reiten ist nicht nur das Eine sondern immer das ganze System zu beachten und umzusetzen. Ein Reiter muss mit seinem Körper üben, ihn sensibilisieren, mobilisieren, stabilisieren, koordinieren und integrieren.
 
Am Symposium PFERDE 2019 spiegelte das Projektteam hervorragend und äusserst sympathisch die professionelle Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, manueller Therapeut und Sattler wider. Auch die Hufschmiede, Reitlehrer und der Pferdehalter gehören in dieses System integriert, wie dies in den Diskussionen zu Recht von den Fachleuten reklamiert wurde. Schlussendlich ist es jedoch immer der Reiter oder Pferdebesitzer, der sich aktiv für das nachhaltige Wohlergehen des Pferdes entscheiden muss. Es ist nicht auszuschliessen, dass mit dieser ganzheitlichen Einstellung rund um das Pferd der Reiter kurzfristig seine „Komfortzone“ verlassen muss, um nachhaltig mit dem Pferd arbeiten zu können.

Symposium PFERDE 2018 «Der Huf und die Diagonalität» 
VETSUISSE-FAKULTÄT Zürich, 2. und 3. November. 
 
BALANCE - ELASTIZITÄT - FLEXIBILITÄT
 
Prof. Dr. med. vet. M. Weishaupt eröffnete den Thementag mit biomechanischen Fakten zum Huf. Unphysiologische Belastungen ergeben Formveränderungen des Hufes oder sogar Schäden an der Lederhaut und Hornkapsel. Eindrücklich erklärte er die Kräfte, die auf die Hufe wirken und wie sich diese im Alternativbeschlag oder als Beispiel des sogenannten Sportbeschlag bei Islandpferden massiv verändern – positiv wie auch im letzteren negativ für das Pferd. Die Hufbalancierung muss primär durch die Hufbearbeitung erfolgen, das Hebelgesetz muss beachtet werden und unnötige Drehmomente sollten vermieden werden. 
 
Alle Rahmenbedingen für eine individuelle Lösung müssen mit einbezogen werden: Gliedmassenstellung, Hufkonformation/-qualität, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Nutzungsart und -intensität, Rehabilitation, Bewegungsvermögen, Gangart und die Bodenbeschaffenheit nicht nur während der Arbeit, sondern auch diejenige des Stalles. Ein durchschnittliches Schweizer Pferd wird 4.5 Std./Woche genutzt, die restlichen Stunden verbringt es im Stall.
 
Die Veränderung während eines Beschlagsintervalles wurde vom Hufschmiedemeister Ruedi Blumer aufgezeigt. Sowie auch die Referenzpunkte für eine optimale Beurteilung eines Beschlages. Den Beschlagsrhythmus bestimmt das Pferd und nicht die Geldbörse des Besitzers. 
 
Bei Korrekturbeschlägen sollte die Dauer der Korrektur berücksichtigt werden, denn jeder Korrekturbeschlag bringt ein nicht unerhebliches Risiko von Überbelastungen auf der Seite der Korrektur. Belastungsasymmetrien führen zu Stellungsveränderungen, die von Gelenken und dem Stützapparat kompensiert werden müssen.
 
Andy Weishaupt unterrichtete in Anatomie, lehrte die Blickschulung und erläuterte die Theorie der FBalance, welche 100% auf der natürlichen Balance der Gliedmasse beruht und die natürliche Flexibilität des Hufes berücksichtigt. Er selbst plädiert für eine faire Umstellung von Eisen auf Barhuf:  Er stellt die Pferde erst auf einen Kunststoffbeschlag um, damit sich die Pferde schonend an die wiedergewonnene Elastizität der Hufe gewöhnen können.
 
Ob ein Alternativer Beschlag oder Hufschuhe gewählt werden soll, Andy Weishaupt und Melanie Engeler erklärten, worauf es ankommt und unbedingt geachtet werden soll, bei der Wahl. Auch bei der Wahl von Hufschuhen muss das Hebelarmverhältnis unbedingt beachtet werden.
 
Die Unterschiede des Ausschneidens von Barhufpferden und beschlagenen
Pferden sind minimal, rein ideologisch und nicht handwerklich begründet, sagt Dr. med. vet. J. Hugelshofer, der sich intensiv mit Hufen und Hufprophylaxe jahrelang in seiner Hufklinik damit auseinandersetzte.
Klaus Schöneich referierte über die Auswirkungen der Schiefe des Pferdes und den positiven Einfluss des Geraderichtens auf Krankheitsbilder, Leistungsdefizite und Hufproblematiken beim Pferd. «Handeln statt behandeln» stand bei seinem eindrücklichen Referat im Vordergrund. 
 
Brigitte Stebler rundete das Thema mit der ganzheitlichen Sicht auf das Pferd ab. Es ist von Kopf bis Fuss eine funktionelle Einheit. Sie erklärte die «Diagonalität» des Pferdes, schulte den Blick und zeigte Übungen zur Findung von Stand- und Spielbein beim Pferd. Sie empfiehlt die Geraderichtung und das in korrekter Körperhaltung vorwärtsbewegen der Pferde. Bereits schon im Fohlenalter sollten unterschiedliche Hufformen nicht ignoriert werden, sondern im ganzheitlichen Sinne manuell therapiert werden. Der Huf wird durch alle Systeme beeinflusst und erläuterte die Auswirkung der Rückenhaltung auf die Stellung und Form der Hufe.
 
Nicht nur bei der Pferdeausbildung, dem Reitersitz, dem Exterieur des Pferdes sondern auch in der Hufbearbeitung wird DIE BALANCE angestrebt. Wir reden alle vom gleichen, egal welcher Reitstil oder Hufschutz gewählt worden ist.

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<![CDATA[Symposium PFERDE 2018]]>Wed, 13 Feb 2019 09:35:01 GMThttp://www.corinnehauser.ch/archiv-symposien-pferde/symposium-pferde-2018-der-huf-und-die-diagonalitaetDer Huf und die Diagonalität
VETSUISSE-FAKULTÄT Zürich, 2./3. November 2018
 
BALANCE - ELASTIZITÄT - FLEXIBILITÄT
 
Prof. Dr. med. vet. M. Weishaupt eröffnete den Thementag mit biomechanischen Fakten zum Huf. Unphysiologische Belastungen ergeben Formveränderungen des Hufes oder sogar Schäden an der Lederhaut und Hornkapsel. Eindrücklich erklärte er die Kräfte, die auf die Hufe wirken und wie sich diese im Alternativbeschlag oder als Beispiel des sogenannten Sportbeschlag bei Islandpferden massiv verändern – positiv wie auch im letzteren negativ für das Pferd. Die Hufbalancierung muss primär durch die Hufbearbeitung erfolgen, das Hebelgesetz muss beachtet werden und unnötige Drehmomente sollten vermieden werden.
Alle Rahmenbedingen für eine individuelle Lösung müssen mit einbezogen werden: Gliedmassenstellung, Hufkonformation/-qualität, Erkrankungen des Bewegungs-apparates, Nutzungsart und -intensität, Rehabilitation, Bewegungsvermögen, Gangart und die Bodenbeschaffenheit nicht nur während der Arbeit, sondern auch diejenige des Stalles. Ein durchschnittliches Schweizer Pferd wird 4.5 Std./Woche genutzt, die restlichen Stunden verbringt es im Stall.
Die Veränderung während eines Beschlagsintervalles wurde vom Hufschmiedemeister Ruedi Blumer aufgezeigt. Sowie auch die Referenzpunkte für eine optimale Beurteilung eines Beschlages. Den Beschlagsrhythmus bestimmt das Pferd und nicht die Geldbörse des Besitzers.
Bei Korrekturbeschlägen sollte die Dauer der Korrektur berücksichtigt werden, denn jeder Korrekturbeschlag bringt ein nicht unerhebliches Risiko von Überbelastungen auf der Seite der Korrektur. Belastungsasymmetrien führen zu Stellungsveränderungen, die von Gelenken und dem Stützapparat kompensiert werden müssen.
Andy Weishaupt unterrichtete in Anatomie, lehrte die Blickschulung und erläuterte die Theorie der FBalance, welche 100% auf der natürlichen Balance der Gliedmasse beruht und die natürliche Flexibilität des Hufes berücksichtigt. Er selbst plädiert für eine faire Umstellung von Eisen auf Barhuf: Er stellt die Pferde erst auf einen Kunststoffbeschlag um, damit sich die Pferde schonend an die wiedergewonnene Elastizität der Hufe gewöhnen können.
Ob ein Alternativer Beschlag oder Hufschuhe gewählt werden soll, Andy Weishaupt und Melanie Engeler erklärten, worauf es ankommt und unbedingt geachtet werden soll, bei der Wahl. Auch bei der Wahl von Hufschuhen muss das Hebelarmverhältnis unbedingt beachtet werden.
Die Unterschiede des Ausschneidens von Barhufpferden und beschlagenen Pferden sind minimal, rein ideologisch und nicht handwerklich begründet, sagt Dr. med. vet. J. Hugelshofer, der sich intensiv mit Hufen und Hufprophylaxe jahrelang in seiner Hufklinik damit auseinandersetzte.
Klaus Schöneich referierte über die Auswirkungen der Schiefe des Pferdes und den positiven Einfluss des Geraderichtens auf Krankheitsbilder, Leistungsdefizite und Hufproblematiken beim Pferd. «Handeln statt behandeln» stand bei seinem eindrücklichen Referat im Vordergrund.
Brigitte Stebler rundete das Thema mit der ganzheitlichen Sicht auf das Pferd ab. Es ist von Kopf bis Fuss eine funktionelle Einheit. Sie erklärte die «Diagonalität» des Pferdes, schulte den Blick und zeigte Übungen zur Findung von Stand- und Spielbein beim Pferd. Sie empfiehlt die Geraderichtung und das in korrekter Körperhaltung vorwärtsbewegen der Pferde. Bereits schon im Fohlenalter sollten unterschiedliche Hufformen nicht ignoriert werden, sondern im ganzheitlichen Sinne manuell therapiert werden. Der Huf wird durch alle Systeme beeinflusst und erläuterte die Auswirkung der Rückenhaltung auf die Stellung und Form der Hufe.

Nicht nur bei der Pferdeausbildung, dem Reitersitz, dem Exterieur des Pferdes sondern auch in der Hufbearbeitung wird DIE BALANCE angestrebt. Wir reden alle vom gleichen, egal welcher Reitstil oder Hufschutz gewählt worden ist.

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